Spezialkrane für Yamal LNG

Spezialkrane für Yamal LNG

Kältekrane für –50 °C

STAHL CraneSystems baut Kältekrane für –50 °C

12.08.2015 Presse

Yamal/Künzelsau | Auf der russischen Halb­insel Yamal entsteht zur Zeit eine der anspruchs­vollsten LNG-Anlagen, die je gebaut wurde. In einer Region, in der das Thermo­meter in manchen Jahren nie über 0 °C steigt, die auf dem Land­weg kaum zu erreichen ist und die meistens von Schnee bedeckt ist, baut das Konsortium JSC Yamal LNG in Zusammen­arbeit mit dem französischen EPC-Contractor Technip drei LNG-Trains zur Ver­flüssigung von Erdgas. Von Yamal aus will Russland ab 2017 Flüssig­gas sowohl nach Asien als auch nach Europa exportieren. Der Betrieb in teil­weise offenen, un­geheizten Hallen stellt für die Hersteller der technischen Anlagen bei diesen extremen Temperaturen große Heraus­forderungen dar. Einerseits gilt es, die Funktions­fähigkeit und Zuver­lässigkeit der Geräte zu garantieren, anderer­seits müssen Explosions­schutz­bestimmungen eingehalten werden. Technip setzt bei komplexen Projekten dieser Art auf erfahrene Lieferanten, im Bereich der Kran­technik ist das STAHL CraneSystems. Die süd­deutschen Kran­technik- und Explosions­schutz-Experten entwickelten sechs Kälte­krane mit Trag­fähig­keiten von je 100 t, die bei der Installation und Wartung der Gas­kompres­soren von Yamal LNG eingesetzt werden.

Neben der Material­beständig­keit musste STAHL CraneSystems die Ein­haltung des Explosions­schutzes nach ATEX-Richtlinien gewährleisten. Da die Kran­technik-Komponenten nur bis –20 °C nach ATEX zertifiziert sind und eine Rezertifizierung bei der renommierten deutschen physikalisch-technischen Prüfanstalt PTB mehrere Jahre in Anspruch genommen hätte, setzte STAHL CraneSystems auf sein Kälte­kran­konzept, das sich bereits bei anderen Anlagen in Russland bewährt hatte. Die Idee: Sämtliche Hub­werks- und Fahr­werks­komponenten werden eingehaust und mit Heizungen versehen.

Über einen eigenen Sicher­heits­strom­kreis kann die Temperatur innerhalb der Ein­hausungen über –20 °C gehalten werden, sodass der Kran stets betriebs­bereit ist und permanent Explosions­schutz besteht. Um diesen zu gewähr­leisten, wertet die Kran­steuerung mehrere Temperatur­fühler aus, bevor der Kran in Betrieb genommen werden kann. Kran­brücken, Fahr­werks­holme, Kopf­träger und Katze wurden aus speziellem Tief­temperatur­stahl P355 NL1 gefertigt. Die Kerb­schlag­zähig­keit des Stahls beträgt 27 Joule bei –50 °C und wurde in eigenen Versuchen bestätigt. Gewöhnlicher Stahl mit einer Kerb­schlag­zähig­keit von 27 Joule bei +20 °C würde unter diesen Extrembedingungen spröde.

Zuverlässige Technik
Zur Wartung der schweren Gas­kompressoren benötigt Yamal LNG in den Gas-Verdichtungs­anlagen Krane mit einer Trag­fähig­keit von 100 t. Realisiert wurde diese Trag­fähig­keit mit dem explosions­geschützten Zwillings­hubwerk AS 7 ZW ex, das aus zwei gekoppelten AS 7-Seilzügen besteht – robusten, lang­lebigen und seit Jahr­zehnten bewährten Seilzügen von STAHL CraneSystems.
Für leichtere Lasten und schnellere Hub­bewegungen verfügt jeder der Krane über ein Hilfs­hub­werk aus der Serie SH ex, das ebenfalls auf der großen Lauf­katze innerhalb der beheizten Einhausung montiert ist.

LNG-Krantechnik gibt es nicht im Katalog
Hebezeuge für LNG-Anlagen sind keine Standard­lösungen, da die Anforderungen je nach Pumpen­hersteller, Anlagen­bauer, EPC-Contractor und Bestimmungs­land variieren. Gefragt sind daher zuverlässige Serien­produkte, die sich individuell anpassen lassen. LNG-Seilzüge von STAHL CraneSystems basieren auf dem selben modularen Fertigungs­konzept wie die Serien­züge. Auch als modifizierte Sonder­lösung stammen die Einzel­komponenten aus eigener Serien­fertigung, ihr technischer Aufbau ist durch­dacht und die Versorgung mit Ersatz­teilen sowie die einfache Wartung über Jahr­zehnte garantiert. Gerade im Bereich von Energie­anlagen und Offshore-Lösungen ist die Einsatz­dauer schwer abzu­schätzen. Oft wird die vorher berechnete Nutzungs­dauer überschritten und Anlagen sind nicht nur 20 sondern auch 30 oder 40 Jahre in Betrieb. Wie bei allen technischen Komponenten ist auch bei der Kran­technik regelmäßige Wartung und die Verfügbar­keit von Ersatz­teilen der Schlüssel zu langer Nutzung und sicherem Betrieb.

Internationale Beteiligung
Die Spezial­hebe­zeuge für die ersten beiden Krane wurde im Mai 2015 in Künzelsau fertig­gestellt und per Schwer­transport zu einem deutschen Kran­bauer transportiert, wo die Krane gefertigt, montiert und getestet werden. Anschließend werden die LNG-Spezial­krane in Hamburg verschifft und auf dem See­weg ins Nordwest-Sibirische Sabetta befördert. Auch die Kran­komponenten für die Prozess­module des philippinischen Herstellers AG&P werden in Deutschland gefertigt und anschließend auf die Bau­stelle nach Yamal transportiert, wo sie dann in den Modulen installiert werden. Die LNG-Anlage soll 2017 in Betrieb gehen.

Hohe Anforderungen an die Zertifizierung und Dokumentation
Nicht nur bei dem Projekt in Yamal: Wann immer internationale Groß­projekte globaler Reich­weite abgewickelt werden, gilt es unzählige Zertifizierungs­stufen und Doku­mentations­anforderungen zu erfüllen. Für internationale Anlagen­bauer und EPC Unternehmen ist es daher wichtig, die internen Prozesse der Lieferanten kritisch zu beurteilen: Hat der Kran­bauer Erfahrung mit internationalen Projekten? Verfügt er nicht nur über hohe technische Kompetenz sondern ist er auch in der Lage, komplexe Projekt­abläufe zuverlässig und transparent zu bewerk­stelligen? Ist er von sich aus in der Lage, alle geforderten Zertifizierungen und Materialnachweise zu erbringen?

Besonders im hoch­komplexen Umfeld der LNG-Anlagen bleiben im Bereich der Kran­technik nur wenige Anbieter übrig, die hier alle Fragen guten Gewissens mit „Ja“ beantworten können und EPC Unternehmer mit eigener Erfahrung und Forschung bei der Ausführung unterstützen können. Der führende Anbieter in diesem Bereich ist zweifels­ohne STAHL CraneSystems aus Deutschland. Mit 85 Jahren Erfahrung im Bau explosions­geschützter Kran­anlagen und einer eigenen Vertriebs- und Engineering-Abteilung für internationale Groß­projekte stattet das Unternehmen derzeit rund 20 LNG-Projekte pro Jahr mit seinen Hebe­zeugen und Krankomponenten aus.

Bilder

Fertigung der Hebe­zeuge, Fahr­werke und Ein­hausungen bei STAHL CraneSytems in Künzelsau. Vorne: Die LNG-Seilzüge ohne Ein­hausung. Im Hinter­grund mit Einhausung.
Letzte Kontrolle: Die Spezial­hebe­zeuge kurz vor der Aus­lieferung zum Kranbauer.
Hilfs­hub­werk (Seilzug SH, links) und Zwillings­hub­werk (AS 7 ZW, mitte-rechts) befinden sich, gemeinsam mit Steuerungen und Heizung, auf einem Zwei­schienen­fahr­werk. Die gesamte Technik wird ein­gehaust (im Hintergrund zu sehen).
Rezept für Lang­lebig­keit und Sicher­heit: Solide Ver­arbeitung und leicht zugängliche Komponenten. Die Ein­hausungen lassen sich an wichtigen Stellen von außen öffnen, sodass Wartungs­arbeiten an den Hebe­zeugen auch bei ungünstigen Witterungs­verhält­nissen schnell und sicher durch­geführt werden können.
Alles drin: Seilzüge und Kran­steuerung befinden sich innerhalb der Ein­hausung. Eine Heizung sorgt dafür, dass es inner­halb der Ein­hausung nie kälter als –20 °C wird. Somit ist der Explosions­schutz der Anlage auch bei Außen­temperaturen von –50 °C gewährleistet.
Verladung der Hebe­zeuge auf den Schwer­transporter, nächste Station: Ein Kran­bauer in Deutschland. Dort erfolgt die Montage und Abnahme der Krane. Der Transport ins über 6.000 km entfernte Sabetta erfolgt auf dem Seeweg.