Kommunikative Krane

Kommunikative Krane

Slowakische Krane schonen Gebäudestatik

Slowakische Schwerlastkrane schonen Gebäudestatik

15.02.2016 Presse

Bei der neuen Kran­anlage des Wasser­kraft­werks­herstellers VVE im slowakischen Dubnica nad Váhom, 140 Kilometer nord­östlich von Bratislava, war Ingenieurs­kunst gefragt. Denn was zunächst nach einem Standard­auftrag über vier schwere Zwei­träger­brücken­krane aussah, ent­puppte sich für die Kran­bauer als kaum lös­bare Aufgabe: Die Statiker schrieben Funda­mente vor, die das Budget des Bau­projektes zu sprengen drohten. Jaroslav Beneš – ŽERIAVY, ein slowakischer Kran­bau­partner von STAHL CraneSystems, stellte sich der Aufgabe. Ihm gelang es, die Kran­anlage so zu modi­fizieren, dass VVE auf kosten­aufwändige Zusatz­maß­nahmen verzichten konnte. Im Herbst 2015 konnte VVE seine neue Halle in Betrieb nehmen. Dem Team von Beneš war es gelungen, die Belastung des Gebäudes durch die Kran­anlage auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei setzte der ost­europäische Kran­bau­experte auf eine intelligente Kran­steuerung, die in Echt­zeit Last- und Positions­daten sämtlicher Krane, Fahr­werke und Hub­werke analysiert und anhand der Daten die Hub- und Fahr­bewegungen der gesamten Anlage kontrolliert.

Seit vielen Jahren arbeitet der slowakische Kran­bauer Jaroslav Beneš – ŽERIAVY erfolg­reich mit Kran­technik von STAHL CraneSystems. Mittler­weile zählt Beneš zu einem der wichtigsten Partner des Künzelsauer Kran­technik­herstellers auf dem auf­strebenden slowakischen Markt. Mit einer Steigerung des Brutto­inlands­produktes von über 3 % gehört die Slowakei zu den dynamischsten Euro­ländern, in den kommen­den Jahren könnte der Zuwachs noch höher ausfallen. Eine gestärkte Binnen­nach­frage durch Privat­haushalte und die öffentliche Hand sorgen derzeit für Impulse, eine weitere wichtige Trieb­feder ist weiterhin auch die Automobilindustrie.

Mit der Inbetrieb­nahme einer eigenen Produktions­linie für Wasser­kraft-Anlagen ist VVE ein großer Schritt zu einer nahezu autarken Produktion gelungen. In dem modernen Werk auf dem ansonsten eher einem Industrie­denkmal gleichenden Areal, das von Zeiten einer stolzen, slowakischen Schwer­industrie zeugt, entstehen zukünftig Bauteile für Schleusen und Wasser­kraft­werke, mit denen die Energie­wende auch in der Slowakei voran­getrieben werden soll. In der neuen Halle laufen vier Krane mit Trag­fähig­keiten von 180 und 90 Tonnen im einen sowie 175 und 85 Tonnen im zweiten Hallen­schiff. Die Lösung von Kran­bauer Jaroslav Beneš – ŽERIAVY basiert auf einer Last­messung, einer genauen, laser­gestützten Positions­erfassung von Kran­brücken und Fahr­werken sowie der Abstände der Krane zueinander und einer ständigen Kommu­nikation der Krane untereinander.

Jeder Kran ist mit redun­danten PLC-Steuerungen ausgerüstet, die in Echt­zeit die Daten aller Krane analysieren, auch wenn ein Kran gerade nicht in Betrieb oder sogar aus­geschaltet ist. Bei An­näherung an die definierten Grenz­werte senken die Steuerungen die individuelle Hub- oder Fahr­geschwindig­keit einzelner Krane, Fahr­werke oder Hub­werke oder sie drosseln die Geschwindig­keiten der gesamten Kran­anlage. Erreicht eine (oder mehrere Kran­brücken gemeinsam) die zulässige Gesamt­last des Gebäudes, werden sämtliche Bewegungen gestoppt, die zu einer weiteren Erhöhung der Last führen würden.

Da jeder der beiden größeren Krane mit seiner Trag­fähigkeit die Belast­bar­keit der Kran­bahnen über­schreiten könnte, hängt bei ihnen die maximal zulässige Last von der Position der Fahr­werke ab. Die Trag­fähig­keit des größten Krans nimmt von 180 t in der Mitte der Kran­brücke linear nach außen hin ab. Auch Bewegungen und die Verhält­nisse der Kran­brücken zueinander werden analysiert: Wenn der 180-t-Kran voll belastet ist, kann der 175-t-Kran im zweiten Hallen­schiff nur dann an ihm vorbei fahren, wenn er keine Last trägt und sich seine Hub­werke am ent­gegen­gesetzten Ende der Kran­brücke befinden. Die Aus­wirkungen der Last auf das Gebäude werden von jedem Kran separat unter Berück­sichtigung der Daten der anderen Krane ermittelt. Die ständige Kommu­nikation erfolgt redun­dant auf getrennten WiFi-Kanälen.

Das Heben größerer Maschinen­teile ist im Tandem­betrieb möglich. So lassen sich wahl­weise die beiden Hebe­zeuge bzw. die beiden Fahr­werke auf den Kranen oder auch die Krane jedes Hallen­schiffs zum Tandembetrieb verbinden.

Die hohen Trag­fähig­keiten werden durch die Kombination mehrerer STAHL-CraneSystems-Hub­werke erreicht. So verfügen die größeren Krane je über ein Zwillings­hub­werk des Typs ASF 7 ZW mit 125 t Trag­fähig­keit, ergänzt durch ein Hilfs­hub­werk, eben­falls vom Typ ASF 7, mit 55 bzw. 50 t Trag­fähig­keit. Die „kleineren“ Krane sind jeweils mit einem 50-t-Seilzug ASF 7 und einem Hilfs­hub mit 40 bzw. 35 t der ASF 7-Serie bestückt. Frequenz­um­richter sorgen für sanfte, ruck­freie Hub- und Fahr­bewegungen und verringern dadurch die Belastungen der Gebäude­statik.

Mit Abschluss dieses weiteren Projektes und aufgrund der positiven Wirtschafts­prognosen stehen die Zeichen in der Slowakei gut für weitere, erfolg­reiche Kran­projekte mit Krantechnik aus Künzelsau.

Bilder

Vier dieser Zwei­träger­brücken­krane arbeiten in der neuen Halle von VVE, einem slowakischen Hersteller von Wasser­kraft­werken. Die Hallen­statik erforderte zusätzliche Stütz­pfeiler unter der Kran­bahn und anspruchs­volle Sicherheits­vorkehrungen seitens der Krantechnik.
Schweres Gerät mit kompakten Ab­messungen: Der Seilzug ASF 7 ZW von STAHL CraneSystems hebt bis zu 125 t. Als Hilfs­hub dient auf diesem Kran ein Seilzug ASF 7 mit 55 t Tragfähigkeit.
Kranbau-Experte Jaroslav Beneš – ŽERIAVY erklärt die Funktions­weise der von ihm konstruierten Schwerlastkrane.
Dank dem Ingenieurs­geschick des slowakischen Kran­bauers und der seit Jahren bewährten Zusammen­arbeit mit STAHL CraneSystems konnte VVE im Herbst 2015 mit der Produktion in seiner neuen Halle starten.