Ein Coilkran für zwei

Ein Coilkran für zwei

Maßgeschneiderter
20-t-Kran

Innokran und STAHL CraneSystems liefern maßgeschneiderten 20-t-Kran

16.05.2013 Presse

In einer Halle der Firma Kienle+Spiess im schwäbischen Sachsenheim werden Blech­rollen von Güter­wagen und LKWs abgeladen, gelagert, bearbeitet und wieder auf LKWs verladen. Die bis zu 10 Tonnen schweren Rollen, auch Coils genannt, wurden bis­lang mithilfe von drei Hallen­kranen transportiert. Zwei dieser Krane aus dem Jahre 1966 mussten nun ersetzt werden: Regel­mäßige Reparaturen, aufwändige Instand­haltungen und sich häufende Still­stand­zeiten verursachten zuletzt Kosten zwischen 20.000 und 30.000 € pro Jahr, was für die Investition in eine neue Krananlage sprach.

Zuvor mussten jedoch mehrere Fragen geklärt werden: Benötigt das Unternehmen überhaupt einen Kran, oder wäre der Coil-Transport auch per Schwer­last­stapler möglich? Dagegen sprachen allerdings nicht nur der erhöhte Platz­bedarf am Boden sowie der Zeit­verlust durch das Rangieren der Stapler. Besonders das steigende Sicherheits­risiko bei zusätzlichen Bewegungen unterhalb des dritten Kranes, der auch weiterhin zum Be- und Entladen der LKWs benötigt wird, wollte die Geschäfts­führung nicht eingehen.
So entschied sich Kienle+Spiess für einen neuen Kran. Die Idee: Eine neue, schnellere Kran­anlage mit 20 Tonnen Trag­fähig­keit soll die reparatur­anfälligen 13-t-Krane ersetzen und zusätzlichen Spiel­raum für zukünftige Kapazitäts­steigerungen bieten. Die Konstrukteure des Pleidelsheimer Kranbauers Innokran nahmen die Herausforderung an und entwickelten mit Kran­komponenten von STAHL CraneSystems die passende Lösung.

Kienle+Spiess: „Agieren statt reagieren“
Das Unternehmen Kienle+Spiess wurde 1935 in Sachsenheim gegründet. Bereits nach kurzer Zeit entwickelte sich die Firma zum bedeutendsten Anbieter von Stanz- und Druck­gussteilen für den Bau von Elektro­motoren und Generatoren. Diese starke Markt­position kann Kienle+Spiess bis heute behaupten. Seinem Motto „agieren statt reagieren“ folgend ergriff das Unternehmen die Initiative und beauftragte Innokran mit dem Bau der außer­gewöhnlichen Kran­lösung. Außer­gewöhnlich in mehrfacher Hinsicht: Die bestehende Kran­bahn, eine relativ niedrige Decke und eine inmitten der Halle platzierte 5,30 Meter hohe Stanz­maschine gaben den Konstrukteuren wenig Spiel­raum, um den großen Zwei­träger­laufkran mit Obergurt-Laufkatze und Kran­führer­kabine in die Halle ein­zu­passen. Beim Überfahren der Stanz­maschine bleiben nur 10 cm Abstand zur Führer­kabine, zu wenig, um den Sicherheits­vorschriften zu genügen. Deshalb sah Innokran für den normalen Betrieb eine Umfahrung dieses Bereichs vor. Nur bei Wartungs­arbeiten oder einem Werkzeug­wechsel an der Stanz­maschine darf diese Umfahrung vorübergehend vom Kran­führer per Schlüssel­schalter überbrückt werden.

Die bestehende Kran­bahn ist nur für die Rad­lasten der 13-t-Krane ausgelegt. Um den neuen 20-t-Kran auf der bestehenden Kran­bahn nutzen zu können, musste die höhere Last auf mehrere Räder verteilt werden. Die Lösung von Innokran: Der Kran läuft auf vier STAHL-CraneSystems-Kran­kopf­trägern mit insgesamt 8 Rädern. Dadurch sinkt die Last auf dem einzelnen Rad, zusätzlich liegen die äußeren Räder weiter auseinander, wodurch die Kräfte auf der Kran­bahn auf eine längere Strecke verteilt werden.

Feinfühlige Steuerung aus der Vogel­perspektive
Gesteuert wird der Kran wahl­weise aus der Führer­kabine oder per Funk­fern­steuerung. Die Entscheidung für eine Führer­kabine lag für Kienle+Spiess auf der Hand: In der 65 Meter langen Halle müssten die Kran­führer lange Wege zu Fuß zurück­legen. Zudem ist das Aufnehmen und Platzieren der schweren Coils aus der Vogel­perspektive einfacher. Frequenz­umrichter an den Fahr­motoren und am Hebe­zeug ermöglichen ein ruck­freies Beschleunigen und fein­fühlige Hebe­vorgänge, was das schnelle, präzise Arbeiten erleichtert und zudem den Komfort für die Kran­führer in der Führerkabine erhöht.

Ausgereifte Technik für hohe Ansprüche
Ob Segmente für Wind­generatoren, Pakete für Traktions­motoren oder Anker­bleche für Universal­motoren, das Produkt­programm von Kienle+Spiess deckt alle Anwendungs­bereiche von Elektro­motoren und Generatoren ab. Die Produkte sind heute gefragter denn je und die Auftrags­lage für das schwäbische Unternehmen ist gut. Die Produktion der Stanz­teile läuft im Zwei­schicht­betrieb, entsprechend stark wird auch der neue Kran beansprucht. Hoch­belastungs­zeiten sind besonders am Vor­mittag und am frühen Mittag, wenn die LKWs be- und entladen und die Coils innerhalb der Halle bewegt werden müssen. Die hohe Ein­stufung des Hebe­zeugs nach FEM M7/4m (bei 20 t) und M8/5m (bei 16 t Traglast) wird dieser dauer­haften Beanspruchung gerecht. Als Hub­werk platzierte Innokran zwei robuste AS 7-Seilzüge von STAHL CraneSystems in Zwillings­ausführung auf der Lauf­katze. Der sogenannte AS 7 ZW konnte hier viele seiner Vorteile ausspielen: Seine kompakte Bau­form machte sich bei der geringen Decken­höhe bezahlt, die hohe Hub­geschwindig­keit entsprach dem Wunsch von Kienle+Spiess, mit nur einem Kran die zwei ausrangierten Krane zu ersetzen. Seine gegen­läufige Seil­führung verhindert die Haken­wanderung und erlaubt es, auch schwere Lasten sehr exakt abzusetzen. Das macht den Umschlag der Blech-Coils schneller und sicherer.

Neben dem Zwillings­hubwerk ist die gesamte Kran­steuerung mitsamt der Frequenz­umrichter auf der Lauf­katze montiert – eine Sonder­ausführung von STAHL CraneSystems, die es Innokran ermöglichte, Hebe­zeug und Kran­elektrik bereits vor der Verbindung mit der Kran­brücke zu testen. Ebenfalls zur Sonder­ausstattung zählt der Multi­controller SMC von STAHL CraneSystems. Diese Komponente garantiert die kontinuierliche Laster­fassung über einen analogen Last­messsensor und die Abschaltung der Hub­bewegung bei Überlast. Der SMC ermittelt das Last­kollektiv, die Zahl der Betriebs­stunden und der Volllast­betriebs­stunden, er dokumentiert Motor­schaltungen und weitere Nutzungs­daten. Hauptkriterien wie die Anzeige der General­überholung sind über Dioden ersichtlich, alle weiteren Daten lassen sich per Note­book auslesen. Eine weitere Funktion ist das integrierte Motor­management zur Schonung der Anlage: Dazu zählt die Unter­drückung des Tipp­betriebs der schnellen Hub­geschwindig­keit, das Anfahren und Bremsen über einen Feinhub, sowie die Überwachung der Kalt­leitert­emperatur­fühler des Hubmotors.

Umbau vom Experten
Für die Demontage der alten Krane bis zur Inbetrieb­nahme der neuen Anlage veranschlagte Innokran drei Wochen. Hilfreich war neben der Erfahrung der Innokran-Experten der erhöht laufende, dritte Hallen­kran, mit dessen Unter­stützung die halbierten, alten Kran­brücken auf LKW verladen wurden. Bei einer Spann­weite von 34,8 Metern wurde die Installation der zwei neuen Kasten­träger zur kniffligen Millimeter­arbeit, doch alles verlief nach Plan. Die Anlage ist seit Anfang 2013 permanent im Einsatz, erreicht den veranschlagten Material­umschlag und auch die Kran­führer von Kienle+Spiess sind von dem neuen Kran begeistert.

Bilder

Der neue 20-t-Kran dient zum Heben schwerer Blech-Coils. Die Last wird auf vier Kran­kopfträger und 8 Räder verteilt.
Aus der Kran­führer­kabine hat der Kran­führer den perfekten Überblick. Auf einen motorisch drehbaren Haken hat Kienle+Spiess bewusst verzichtet, da die Kran­führer daran gewöhnt sind, die Traverse durch Touchieren der Coils zu drehen.
Die Schalt­kästen für Kran­steuerung und Frequenz­umrichter wurden so konstruiert, dass sie auf der Lauf­katze Platz finden. Sowohl die Lauf­katze als auch die Kran­brücke sind über Wartungs­stege begehbar.
Kompaktes Hebe­zeug für Trag­lasten bis über 100 Tonnen: Der AS 7 ZW in Zwillings­ausführung.
Knapp bemessen: Der Abstand zwischen Stanz­maschine und Führer­kabine beträgt nur 10 Zentimeter. Im Normal­betrieb muss der mittlere Bereich der Halle deshalb umfahren werden.