Europas größtes Regalbediengerät
Kunde: Lütkenhaus, Dülmen
Ausgangssituation
Die Firma
Lütkenhaus in Dülmen, 40 km südlich von Münster gelegen, ist ein
Lieferant für Betonfertigteile. Da sich der 1,5 ha große Lagerplatz des
1907 gegründeten Traditionsunternehmens nicht mehr erweitern ließ, die
Nachfrage für Deckenelemente aber immer größer wird, entschloss sich
die Geschäftsleitung im Jahr 2002 zu einem ungewöhnlichen Schritt: Dem
Bau des größten und bisher modernsten Hochregallagers (HRL) für
Betonfertigteile.
Anforderung
Wichtig war bei
der Realisierung dieser aufwändigen Anlage, die sehr hohe
Verfügbarkeitsansprüche des Betreibers erfüllen muss, dass sich die
Hubwerkstechnik problemlos in die Gesamtanlagenkonzeption einfügen
ließ. Das neue Lager, bestehend aus Hochregallagern, einem
Regalbediengerät und diversen Lagerstationen, wird von einer
SPS-Steuerung überwacht.
Realisierung
Mit der
Konzeption und Lieferung der Gesamtanlage wurde der Betonwerksausrüster
Avermann aus Osnabrück beauftragt. Das ursprüngliche Konzept eines in
der Nähe ansässigen Kranbauers für die Hebezeuge ging von der
herkömmlichen Ausführung der Hubwerke als Windwerke aus. Mit dieser
Variante war Anlagenlieferant Avermann nicht zufrieden. Winden werden
in aufwändiger Einzelfertigung hergestellt, die Vorteile von in Serie
gefertigten Kompakt-Hebezeugen werden nicht genutzt. Avermann nahm
deshalb mit der STAHL CraneSystems GmbH Kontakt auf, die sich auf
Hochleistungshebezeuge für Kran- und Anlagenbau spezialisiert hat. Das
Ingenieurteam von STAHL CraneSystems empfahl den Einsatz von vier
synchronisierten, je 21,5 t hebenden Kompakthubwerken, um die Ein- und
Auslagerung der bis zu 50 t schweren Betonstapel zu realisieren. Das
Konzept von STAHL CraneSystems sah vor, die Elektroseilzüge am Fuße des
Regalbediengerätes (RBG) zu platzieren – im Hinblick auf Zugänglichkeit
und Wartung ein sehr vorteilhaftes Konzept.
Hebetechnik
Die
eingesetzten Elektroseilzüge vom Typ ASF 7050-38 4/1 L2 haben sich
vielfach in Schwerlastanwendungen bewährt und sind nach FEM in der
Belastungsgruppe 3 m eingestuft. Sie ziehen mit 25 mm starken Seilen
und vier Seilsträngen den Teleskoptisch mit bis zu 15 m/min. Als
Tragmittel sind hochflexible Spezialseile mit 10-facher Seilsicherheit
eingebaut.
Angetrieben werden die Seilzüge von 36 kW starken,
frequenzgeregelten Hochleistungsmotoren. Die Umrichtertechnik bietet
eine Reihe von Vorteilen gegenüber herkömmlichen Antrieben. Sie erlaubt
die stufenlose, feinfühlige Regelung der Geschwindigkeit
(Standardmotoren bieten lediglich zwei Stufen). Die maximale
Geschwindigkeit wird in Abhängigkeit von der angehängten Last
optimiert. Auch werden die Anlaufströme der Motoren reduziert, so dass
die Stromzuführung optimal dimensioniert werden kann. Und schließlich
vermeiden die sanft anlaufenden Motoren stoßartige Belastungen:
Tragkonstruktion, Seile und Seilrollen werden schonend betrieben.
Die hohe Umschlaghäufigkeit im Lager wurde bei der
Motorkonstruktion berücksichtigt. Angebaute Fremdbelüftungen
ermöglichen eine Einschaltdauer von 80 Prozent ED und stellen sicher,
dass die Motoren auch bei Dauerbetrieb nicht überhitzen. Eine
Selbstverständlichkeit bei STAHL CraneSystems ist das Sicherheitspaket,
bestehend aus Seilführungsring, Getriebe-Endschalter und
Überlastsicherung.
Eine vom Steuerungsbauer SAA konzipierte SPS-Steuerung wurde in
einem klimatisierten Schaltschrank untergebracht. Diese Steuerung
regelt den Gleichlauf der Hubwerke und verhindert Fehlbedienungen oder
Unfälle.
Die Einbauposition der vier Seilzüge am Boden ermöglicht die
bereits erwähnte einfache Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten und
gegebenenfalls erforderliche Reparaturen. Die Hubwerke von STAHL
CraneSystems sind selbstverständlich so konstruiert, dass der Motor
außerhalb der Trommel liegt. Somit bleibt die Bremse leicht erreichbar
und die durch Wartungsarbeiten bedingten Stillstandzeiten sind gering.
Resultat
Das 110 t schwere
und 50 t Nutzlast tragende RBG hat eine Spurweite von 14,1 m und ist
mit 15 m Höhe und 13,5 m Länge ein Gigant im Vergleich zu den sonst
üblichen Konstruktionen aus HRL-Systemen. Es verfährt beladen mit bis
zu 90 m/min. Stündlich schafft das RBG bis zu sechs Ein- und
Auslagervorgänge. Die ausgelagerten Betonteile werden in
Übergabeplätzen bereitgestellt und dann auf Lkw verladen. Beim Ein- und
Auslagervorgang wird die Hubtraverse des RBG angehoben und nach
Erreichen der gewünschten Lagerebene fährt ein schienengeführter Wagen
in die Lagerbox. Dort kann er abgestellte Betonfertigteilpakete
aufnehmen oder absetzen. Das RBG ist seit Mai 2002 erfolgreich im
Einsatz und arbeitet überwiegend im Zweischichtbetrieb.
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| Gesamtansicht des wohl einzigartigen Hochregallagers für Betonfertigteile. Rechts im Bild die drei Auslager-Übergabeplätze. |
Das Regalbediengerät im Betonwerk Lütkenhaus in Dülmen ist das größte
RBG in Europa – es lagert bis zu 50 t schwere Betonteilstapel ein und
aus. |
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Detail des sehr gut zugänglichen Hubwerkes. Die Trommel wurde mit einer Abdeckplatte
als Wetterschutz versehen. |
Am Fuß der vier Vertikalsäulen sind die je 21,5 t tragenden Elektroseilzüge Typ AS 7050-38 von STAHL CraneSystems montiert. Die frequenzgeregelten Hubwerke heben die Traverse synchron an, die maximale Hubgeschwindigkeit beträgt 15 m/min. |